Bergung

Kulturgüter lassen sich nicht gegen alle Wechselfälle der Geschichte abschotten, aber in vielen Fällen könnten gut durchdachte Konzepte helfen, die Kulturgüter im Krisenfall aus der Gefahrenzone an einen geschützten Bergungsort zu verbringen, wo sie für einen befristeten Zeitraum sicher und fachgerecht gelagert werden, bis die Gefahr vorüber ist.

Im Fall einer erforderlichen Bergung von Kulturgut kann man nicht erst im Angesicht der Gefahr damit beginnen, eine Auswahl der zu rettenden Objekte zu treffen und sich Gedanken über die Durchführung der Rettungsaktion und die möglichen sicheren Bergungsorte sowie deren Ausstattung zu machen. Es ist notwendig, im Vorfeld ein schriftlich fixiertes standardisiertes Vorgehen auszuarbeiten, das die geplanten Abläufe und Dokumentationsvorgaben beschreibt.

Da es sich in der Regel um wertvolles Bergungsgut handelt, ist es sehr wichtig, solche Maßnahmen gut zu dokumentieren, gegen Diebstahl und Sabotage abzusichern und dafür zu sorgen, dass die Objekte die Verlagerung so gut wie möglich unbeschädigt überstehen.

Unter extremen Bedingungen und hohem Zeitdruck lassen sich unter Umständen nicht immer die allerhöchsten Standards für Transport und Lagerung realisieren. Eine Unterschreitung bestimmter Mindestbedingungen würde jedoch unweigerlich zur Zerstörung der Kulturgegenstände führen. Aus diesem Grund sind eine sorgfältige und gut durchdachte präventive Planung sowie die Organisation von Übungen im Vorfeld unerlässlich.

Mehr dazu: Beitrag im Tagungsband SiLK 2018, S. 69-74 http://www.konferenz-kultur.de/SLF/tagungen/Tagungsband_KULTURGUTSCHUETZEN_2018.pdf

I. Überblicksarbeiten 

Rettung von Medien in Bibliotheken nach Katastrophen:
COSADOCA (Consortium for the Preservation of Documentary Patrimony in case of Disaster) hat im Maerz 2008 im Rahmen einer Konferenz von IFLA PAC (Preservation and Conservation) mit den Konferenzteilnehmern den Ernstfall einer Brandkatastrophe geprobt und daraus einen Videofilm erstellt, der die verschiedenen Etappen zur Rettung eines Medienbestandes vorführt, der durch einen Brand stark beschädigt wurde. Die einzelnen Schritte zur Erhaltung der Medien werden gezeigt und erläutert.
http://www.cosadoca.ch/en/

Im Überblick werden hier Bergungsmaßnahmen für unterschiedliche Archivmaterialien beschrieben.
Betty Walsh (1997):
Salvage Operations for Water Damaged Archival Collections: A Second Glance
http://cool.conservation-us.org/waac/wn/wn19/wn19-2/wn19-206.html

Wesentliche Maßnahmen übersichtlich in tabellarischer Form:
Salvage at a Glance
http://cool.conservation-us.org/waac/wn/wn19/wn19-2/wn19-207.html

Das Northeast Document Conservation Center (NEDCC) in Andover (Massachusets) ist eine der bedeutendsten Einrichtungen seiner Art: Eine Serie der bekannten „Technical Leaflets“ hilft auch bei der Planung und während des Notfalls:
Preservation of Library and Archival Materials. Section3: Emergency Managment
http://www.nedcc.org/resources/leaflets.list.php

II. Bücher, Archivalien und Papier 

Leitfaden „Bergung und Erstversorgung von wassergeschädigtem Archiv- und Bibliotheksgut“
Der aktuelle Leitfaden (Stand: Januar 2013) kann auf der Seite des LWL heruntergeladen werden:
http://www.lwl.org/waa-download/pdf/Screenbook%20Erstversorgung_1-2013.pdf

Notfallseite des Archivamtes für Westfalen (LWL):
http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Archivamt/Bestandserhaltung/notfall/

Sally Buchanan:
Emergency Salvage of Wet Books and Records
http://www.nedcc.org/resources/leaflets/3Emergency_Management/06SalvageWetBooks.php

Zur Rettung von schimmelbefallenen Büchern und Archivalien:
Beth Lindblom Patkus: Emergency Salvage of Moldy Books and Paper
http://www.nedcc.org/resources/leaflets/3Emergency_Management/08SalvageMoldyBooks.php

Cornell Department of Preservation and Collection Maintenance:
Die Lufttrocknung nasser Bücher
http://www.library.cornell.edu/preservation/publications/documents/AirDryingofWetBooks.pdf

Die Lufttrocknung nasser Akten und Einzelblätter
http://www.library.cornell.edu/preservation/publications/documents/AirDryingofWetFilesandSheets.pdf

Die Bergung gestrichener Papiere ist besonders schwierig, da diese bei Anwendung konventioneller Trocknungsverfahren irreversibel miteinander verkleben („verblocken“). Hier muss die Vakuum-Gefriertrocknung Anwendung finden (s. dazu auch „Wasserschäden“)! Eine Literaturstudie zum Thema:
David Tremain/ CCI (o.J.):
Notes on Emergency Drying of Coated Paper Damaged by Water
http://cool.conservation-us.org/byauth/tremain/coated.html

III. Fotografien 

Maria Bortfeldt:
Wasserschaden – Konservatorische Aufarbeitung von Fotografien. In: Rundbrief Fotografie, N.F. 33, Vol. 9 , No. 1 (2002), S. 11-14
http://www.foto.unibas.ch/~rundbrief/wasserschaden1.htm

Maria Bortfeldt:
Wasserschaden – Beitrag zu einem Notfallplan. In: Rundbrief Fotografie, N.F. 34, Vol. 9 , No. 2 (2002), S. 19/20
http://www.foto.unibas.ch/~rundbrief/wasserschaden2.htm

Gary Albright:
Emergency Salvage of Wet Photographs
http://www.nedcc.org/resources/leaflets/3Emergency_Management/07SalvageWetPhotos.php

IV. Sonstige 

Peter Brothers/ NARA:
Damage Mitigation and Recovery, Magnetic Media
http://www.archives.gov/preservation/conservation/magnetic-media.html

National Film & Sound Archive Australia:
First Aid for Fire Damaged Audio Visual Material
http://nfsa.gov.au/preservation/care/first-aid-fire-damaged-audiovisual-materials/

First aid for water damage
http://nfsa.gov.au/preservation/care/stabilising-audiovisual-after-floods/